Bei Plastik ist weniger mehr!

Ist eine plastikfreie Zukunft realistisch oder Utopie?

Das Thema des monatlich stattfindenden Mittwochsgesprächs der SPD, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger immer herzlich eingeladen sind, war in dieser Woche der zur Zeit in allen Medien sehr präsente Umgang mit Müll und vor allem Plastikmüll. Geladene Gäste waren diesmal Gabi Roland, Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg aus Freiburg und Dominique Odar, SPD-Europa-Kandidatin aus Mühlhausen.

Dominique Odar

Als Expertin für die europäische Ebene berichtete Dominique Odar von der Europäischen Kunststoffstrategie und der sogenannten Einwegkunststoff-Richtlinie (Richtlinie zur Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt). Die Richtlinie sieht neben dem Verbot von unter anderem Tellern, Besteck, Wattestäbchen, Trinkhalmen, Rührstäbchen, Ballonstäben aus Einwegplastik, auch die Reduktion von weiteren Produkten wie Bechern und Lebensmittelverpackungen sowie Tabakprodukten vor. Europaweit soll es eine verbindliche Sammelquote für Plastikflaschen geben. Zudem sollen Hersteller mit in die Verantwortung genommen werden, auch um Alternativen zu schaffen und aufzuzeigen.
Weitergehend fordert die SPD das Verbot von Mikroplastik in Kosmetika sowie ein Verbot für überflüssige Plastikverpackungen.
Gabi Roland berichtete vom 5-Punkte-Plan der deutschen Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) der zur Reduzierung des Plastikmülls beitragen soll. Punkt eins betrifft die Vermeidung von überflüssigen Produkten und Verpackungen, denn was nicht produziert und in Umlauf gebracht wird, muss nicht entsorgt werden. Der zweite Punkt zielt darauf ab, Produkte und Verpackungen, die unerlässlich sind, umweltfreundlicher zu gestalten. Als dritter Baustein soll eine Erhöhung der Recyclingquote für Kunststoffverpackungen dafür sorgen, dass ein größerer Anteil der Rohstoffe wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt wird. Viertens ist Plastik im Bereich der Bioabfälle zu vermeiden und Punkt fünf sieht vor, durch Technologieexport, zur Verringerung der Verschmutzung unserer Weltmeere beizutragen.
Auch auf kommunaler Ebene lässt sich hinsichtlich des Plastikmülls viel tun. So könnten beispielsweise Strafen für illegale Müllentsorgung oder auch das unachtsame „Fallenlassen“ von Verpackungen oder Zigarettenstummeln eine Lösung für das Müllproblem im öffentlichen Raum sein. Die Stadt Mannheim hat gerade eine erhebliche Erhöhung der Bußgelder für eben diese Vergehen beschlossen. Gemeinderatskandidat Jens Rebmann hebt hervor, dass ein, am besten kreisweit eingeführtes, Recup-Pfandsystem der immensen Menge an Einweg-Kaffeebechern Einhalt gebieten könnte. Dieses System sieht die Einführung von Mehrwegbechern vor, die an vielen Annahme- und Ausgabestellen erhältlich sind und zurückzugeben werden können.

Eine Trinkwasserstation zum Auffüllen. Auch unsere Tiere würde es freuen!

Ein Ketscher Becher für die Umwelt sozusagen. Ebenfalls sprach er die Hoffnung auf einen Unverpackt Laden in Ketsch an, wie es ihn in Mannheim und Heidelberg bereits gibt. Kandidatin Sandra Reiff wünscht sich, dass die jährlich stattfindende Müllsammelaktion in Ketsch noch besser beworben und in Kooperation mit den Schulen veranstaltet wird. Auch sollten die von der SPD verwendeten Tüten, anstelle der Plastiksäcke, genutzt werden. Auf diese Weise soll das Bewusstsein der Kinder schon früh dafür geschärft werden, dass achtlos fallengelassener Müll nicht einfach verschwindet, sondern mühsam wieder eingesammelt werden muss. Gemeinderat Hans-Peter Rist weist darauf hin, dass es auch in Bezug auf die Vermeidung von Plastikmüll vor allem darum geht, alte Gewohnheiten zu überdenken und auch zu verändern. Hier kann und muss jeder einzelne tätig werden, damit sich etwas verändert. Ebenso sprach er die Idee von Refill Stationen für Ketsch an. An diesen können sich die Bürger kostenlos Trinkwasser abfüllen und sind somit nicht auf den Kauf weiterer Plastikflaschen angewiesen. Eine Zukunft komplett ohne Plastik sahen die Teilnehmer als nicht realistisch an. Jedoch wäre schon die Vermeidung unnötiger Verpackungen und der bewusstere Umgang der Menschen mit der Müllproblematik ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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